Gegebenheiten akzeptieren
Situationen anzunehmen wie sie nun mal sind und das Beste aus dem, was man hat, zu machen ist manchmal gar nicht so leicht. Aber man kann es lernen.
Warum ich das jetzt schreibe?
Den Anstoß dazu habe ich bei Frau April bekommen und dort wiederum durch einen Link.
Zeit, über die eigene Situation nachzudenken. Seit einem Jahr bin ich jetzt daheim, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Zeiten, in denen es mir saudreckig ging und dann wieder den Umständen entsprechend gut. Zeiten, in denen viele da waren, um mich abzulenken, zu unterstützen und was ganz wichtig ist: zu beschäftigen. Und genau das habe ich immer versucht, auch, indem ich verdrängt habe, dass Vieles eben nicht mehr geht wie vorher. Sogar die Lust am Fotografieren war mir für einen Moment abhanden gekommen. Ich habe mir die neue Kamera gegönnt von meinen ersparten Kröten und es ging plötzlich wieder wie von selbst.
Ich bin nun mal ein Herdentier, kann nicht lange stille sitzen (außer vorm PC *g*) und habe immer die Verbindung zur Außenwelt gesucht. Ich meine jetzt nicht die über die Blogs, sondern im täglichen Leben. Ich habe Klassentreffen besucht, an Familienfeiern teilgenommen, Clara zum Training und bei Wettkämpfen begleitet, fahre regelmäßig in die Schule auf einen Schwatz oder um Fotos bei Veranstaltungen für die Schulseite zu machen, habe das ganze Jahr über die Schul-HP weiter geführt, habe mit Bärbel Urlaub gemacht und, und, und … was ganz wichtig ist: viel freie Zeit mit Familie und Enkeln verbracht. Das hält jung und fit. Apropos fit: die Wii begleitet mich immer noch täglich und bringt mich in Bewegung. Denn damit haperts im Moment. Das musste ich diese Woche im Bad wieder feststellen. Ich kann nicht mehr schwimmen. Nicht, dass ich es verlernt hätte, aber es geht nicht, weil der Bauch nach den vielen OPs spannt und das vermutlich auch nicht viel besser werden wird. Das ständige Lymphödem im rechten Arm hindert mich daran, ständig etwas zu tun, bei dem ich mit den Armen rumfuchteln muss und so kommt eins zum anderen. Aber ich will darüber nicht lamentieren, sondern muss und werde mit diesen Gegebenheiten leben können, aber eben etwas anders als vorher. Relaxen in einem Rentnerbad kann ja auch ganz schön sein *g*, wie ich diese Woche festgestellt habe.
Morgen werde ich abends in die Schule fahren zur traditionellen Volleyballnacht, Fotos in Massen schießen, Kollegen und Schüler treffen, eben Spaß haben. Nächste Woche steht ein Termin bei der Krankenkasse an wegen der bevorstehenden Reha und dann hoffe ich ganz stark, dass ich bis zum Sommer wieder ins Berufsleben einsteigen kann. Der lebenslange Behinderungsgrad von 100 hat mich erst mal umgehauen, aber andererseits muss ich auch sehen, dass ich dadurch die Möglichkeit habe, mit 60 in Rente zu gehen. Also immer schön das Beste aus der Situation machen, dann geht das ganz gut.
Ich werde also auch weiterhin aktiv sein und auf allen Hochzeiten tanzen, wie der Volksmund so sagt, und damit gehts mir ganz gut.
Zwischendurch kann man sich ja mal still auf eine Bank setzen, in sich gehen und die nächsten Schritte planen, jawoll. Und das tu’ ich jetzt und erhole mich von dem langen Blogeintrag *zwinker*, lese ihn online durch, um die vielen Tippfehler zu sehen *g* und wenn ich dann noch Lust dazu habe, mach ich sie vielleicht auch noch raus.

PS: Und manchmal muss man sich auch in den eigenen Hintern treten und nicht ständig in ein Lamento verfallen. Da macht sie Sache nicht besser – im Gegenteil.
9 Kommentare
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“Situationen anzunehmen wie sie nun mal sind und das Beste aus dem, was man hat, zu machen ist manchmal gar nicht so leicht. “
Aber Du kannst das Brigitte. Und Du kannst noch etwas ganz wichtiges, Du kannst anderen mit Deinem Geschreibsel Mut machen und Kraft geben.
Ganz liebe Grüße und danke dafür!
Jörg -
Brigitte, ich “kenne” dich erst seit kurzer Zeit und du hast anfangs in einer Mail ein wenig auf deine Krankheit hingewiesen. – Es ist wohl ganz, ganz wichtig, dass du dich in deiner Familie so geboren fühlst und zurück in deine Arbeit möchtest – das sind neben deinen Hobbys die wichtigsten Voraussetzungen dafür,dass du diese ganzen unangenehmen Krankheitsgeschichten so recht und schlecht überstehen kannst.
Mache wirklich das beste daraus, denn ich z.B. will noch Tiere von K – Z von dir sehen!
Lieben Gruß von Clara -
Deinen Willen kann ich nur bewundern. Ich habe gerade auch einen Kollegen, der einen ähnlichen Lebenswillen wie Du besitzt, sogar wieder zeitweise zur Arbeit gekommen ist, aber nun doch durch eine weitere Chemo wieder aus dem Verkehr gezogen wurde. Er spricht auch mit uns ganz offen über seine Erkrankung. Ich weiß nicht, wie ich mich selbst in so einer Situation verhalten würde.
Ich wünsche Dir, dass es Schritt für Schritt weiter vorwärts geht.
Viele Grüße
Bellana -
Liebe Brigitte,
ich finde es bewundernswert, dass Du Dich nicht unterkriegen läßt und dem Schicksal die Stirn bietest. Dass Du schon wieder an die Arbeit denkst, zeugt von Deinem unbändigen Lebensmut. Hut ab — ich weiß nicht, ob ich das auch könnte, möchte es aber auch nicht unbedingt wissen.
Weiterhin KOPF HOCH und alles Gute!Liebe Grüße
Jürgen -
Ich finde, man darf – gerade in deiner Situation – auch ruhig mal jammern und sich ausheulen und trösten lassen. In sich reinfressen sollte man das auf keinen Fall. auch ich habe dich immer bewundert, deinen Lebensmut und dass du dich nicht unterkriegen lässt.
Und das ist es dann auch: kämpfen, sich ‘das Leben’ gönnen, was imemr das auch sei. Und da es ja eigentlich in meinem Beitrag um das Altrn ging, sag’ ich nur: mit so vielen Aktivitäten und Interessen wie du wird man nicht so schnell alt
Liebe Grüße,
Ingrid -
Liebe Brigitte, ich bewundere Deinen Lebenswillen. Ich bin, genau wie es Elke auch geht, ein Mensch, der sich zurück zieht. Ich bin keine Kämpfernatur, noch nie gewesen. Ich ducke mich lieber und fresse den Gram in mich hinein als aufzubegehren und zu kämpfen. Würde mich jemals eine so schlimme Krankheit treffen, ich würde gnadenlos eingehen. Aber wer weiß, vielleicht bekommt man gerade dann die Kraft wie Du sie hast?
Ich wünsche Dir auf allen Deinen künftigen Wegen Spaß am Leben und der Gesellschaft.
Liebe Grüße von Kerstin. -
Liebe Brigitte,
bei dir mache ich mir keine Sorgen, denn du bist das typische Steh-auf-Frauchen, dem ich dafür grenzenlosen Respekt entgegenbringe. Das habe ich dir schon öfter gesagt und hier geschrieben. Und es ist völlig richtig, dass man einerseits Grenzen akzeptieren, andererseits aber auch immer versuchen muss, das Beste aus einer Situation zu machen. Aber vermutlich wird das Jeder für sich anders lösen. Du bist ein sehr extrovertierter Mensch – das was du als Herdentier umschreibst – ich bin das genaue Gegenteil. In Situationen, in denen es mir nicht gut geht, werde ich mich immer zurückziehen und will dann auch niemanden sehen. Das mag unvernünftig sein, aber so ist es halt. Mein Familie hat gelernt das zu akzeptieren und das ist gut so. Andererseit finde ich es auch für mich ganz wichtig, dass ich mich mit zunehmendem älter werden immer weiter für neue Sachen interessiere und auf irgendeine andere Art – z.B. Internet – mit anderen Menschen in Kontakt bleibe. Ich bin deshalb sehr froh, dass es das Internet gibt. Aber jeder muss halt seinen Weg finden – in jeder Phase des Lebens.
Lieben Gruß
Elke -
Liebe Brigitte,
ja, man muss den Kopf oben behalten und letztendlich muss man sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Wenn man nicht will, kann einem auch keiner helfen. Auf Deinem weiteren Weg nach oben, wünsche ich Dir alles Gute.
Liebe Grüße
Jutta
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mein liebes blechi,
von mir auch nochmal der bewundernde blick. für deine ehrlichkeit, deine worte, deine hoffnung, deine liebe zum leben und den menschen und deinen starken willen.
ich bin stolz, dich zu kennen.
so! das musste mal gesagt werden *zudirlach
liebe grüße
martine